Momo in Zeiten der Digitalisierung

Aktuell drängt im Zuge der Digitalisierung eine ganze Flut vermeintlich entlastender und zeitsparender Dienstleistungen in unseren Alltag: Das nächste Paar Schuhe ist im Netz nur noch ein paar Klicks entfernt, das zeitintensive Shoppen in überfüllten Innenstädten entfällt. Apps synchronisieren sich geräteübergreifend im Hintergrund und ohne unser Zutun, erinnern uns an Geburtstage und stellen automatisch Packlisten für Urlaube zusammen. Wenn sich die gegenwärtigen Prophezeiungen einer raschen Markteinführung bewahrheiten, könnte uns in naher Zukunft auch das selbstfahrende Auto Lebenszeit schenken, in Deutschland hochgerechnet mehrere Milliarden Stunden jährlich. Diese Zeit hätten wir zur Verfügung, um uns zu entspannen oder um aus dem Auto heraus Dinge zu erledigen, die wir dann zuhause nicht mehr zu erledigen brauchen, so dass wir dort wiederum entspannen können. Das klingt gut. Die Gefahr ist allerdings, dass wir all die gewonnene Zeit nutzen, um immer mehr Dinge zu erledigen, Erlebnissen nachzujagen und Verpflichtungen einzugehen. Wenn wir während der Fahrt arbeiten, konsumieren und dreißig WhatsApp-Nachrichten schreiben, könnten wir durch das selbstfahrende Auto gestresster am Ziel ankommen als heute – und das, obwohl wir uns nicht mehr im Berufsverkehr aufzuregen brauchen. Ähnliches gilt für Kühlschränke, die für uns Lebensmittel kaufen, Heimroboter, die für uns putzen oder smarte Formulare, die uns die Bürokratie erleichtern. Überall lockt Erleichterung, Entlastung und gewonnene Zeit. Ob sich diese Hoffnung erfüllen wird, bleibt abzuwarten und wird auch von uns selbst abhängen.

Dies ist ein Textauszug. Der Essay "Momo in Zeiten der Digitalisierung" ist im transform magazin erschienen und kann HIER in seiner vollständigen Fassung gelesen werden.